Startaufstellung vor dem ersten Wertungstag

Warum Wettbewerbe fliegen? Ist ja viel zu stressig!

Das oder ähnliche Aussagen hörte man aus meinem Mund sicherlich öfters. »Zentrale Wettbewerbe? Pah—brauche ich nicht, nur 300 Kilometer an einem super Streckenflugtag fliegen ist ja Verschwendung« Für mich war das wahre Segelfliegen bis dato immer das dezentrale Streckenfliegen, aber mit der Teilnahme bei der Staatsmeisterschaft hat sich das ein bisschen geändert. Ich sehe im Streckenfliegen aber immer noch die Königsdisziplin im Segelflug, das gemeinsame Fliegen bei einem Wettbewerb ist aber genauso spannend und sportlich relevant. Fehler werden sofort bestraft, die Lernkurve geht steil nach oben. Vor allem fliegt man bei vielen Wetterlagen, bei denen man normalerweise nicht fliegen würde und genau das war dann für mich auch die Motivation mitzufliegen—um meine Streckenflugskills dementsprechend zu erweitern.

Tatsächlich habe ich mich heuer von vielen Leuten motivieren, ja fast schon überreden lassen, meinen ersten zentralen Wettbewerb zu fliegen. Und im Nachhinein betrachtet bin ich sehr dankbar darüber, dass es dann letztendlich Jan geschafft hat mich zu überreden.

Letztendlich gab aber dann auch die Bereitschaft meines Vaters den Ausschlag, der voll motiviert und mit viel Freude zusagte mich als mein Helfer zu begleiten. Und seine Hilfe und seine Begeisterung war während des ganzen Wettbewerbs eine große Stütze und ein super Erlebnis. Papa war mit seinem guten Freund Harro Wödl auf einigen Trainingslagern unterwegs, auch bei seinem Weltmeistertitel 1968 und der WM in Marfa 1970 war er dabei.

Fotos aus Marfa 1970

Training und erster Wertungstag

Startaufstellung am ersten Wertungstag

Nach einem relativ unspektakulärem Trainingstag am Freitag und einem, eigentlich gut fliegbarem Ruhetag am Eröffnungstag, gab es dann am Sonntag endlich den ersten Wertungstag, bei dem Hermann Trimmel schon mal ganz schön motiviert ausschrieb.

Aufgabe erster Wertungstag
Jan und David beim Quatschen vor dem Start
Grid life
Diskussionen über die Lufträume im Wettbewerbsgebiet

Bei sehr gutem Bedingungen kamen wir als Clubklasse leider erst recht spät in die Luft, da wir als letztes in der Startaufstellung standen. In der Luft begrüßten uns dann Steigwerte bis 3 Meter und eine vorgegebene, zugeloste Abflugszeit, ein Prozedere, dass bei dieser Staatsmeisterschaft getestet wurde. Wie sich herausgestellt hat, ist diese zugeloste Abflugszeit leider kein Heilmittel gegen die allgemeine Pulkbildung bei Wettbewerben.

Aber zurück zum ersten Wertungstag. Jan und ich sind dann gleichzeitig abgeflogen, ich habe meine Abflugszeit überzogen und haben gleich beim Start 2 Minuten dann verschenkt. War mir aber egal, da ich einfach im Teamflug mit Jan Erfahrung im Wettbewerb sammeln wollte.

Unterschiedliche Basishöhen vor dem Ablfug
Super Steigwerte und fliegen im Pulk

Nach dem Abflug liefs auf dem ersten Schenkel wie geschmiert. Wir waren sehr flott unterwegs und konnten viele, vor uns abgeflogene Flieger einholen. Dann wurde es aber schwierig. Unsere Wege trennten uns, ich versuchte den zweiten Wendepunkt vom Norden her erreichen, Jan vom Süden. Leider war die Prognose von Herman komplett falsch und eine Gewitter und Schauerlinie stand genau 15km vor und direkt im Wendepunkt.

So war zum Schluss dann eine Aussenlandung am ersten Wertungstag unvermeidbar – Jan und ich trafen uns dann am gleichen Platz in der Nähe von Tabor und landeten, schon so wie im Frühjahr in Kärnten auf der gleichen Wiese. Zum Glück auch nur ca. 300m neben einem Gasthaus und so konnten wir, während wir auf unsere Rückholer warteten, ein paar Bier genießen.

Fazit: Platz 4 – gewonnen hat Erich Hinterholzer, der als einziger die Aufgabe vollenden konnte.

Die Schauerlinie genau über dem Wendepunkt
Weiter südlich Richtung Dobersberg wieder Entwicklungen
Eine Wiese wie ein Flugplatz
Ein lecke Bierchen nach erfolgreicher Aussenlandung
Der Flugweg des ersten Wertungstages

Zweiter Wertungstag

Nach einem längeren Startgeplänkel sind wir spät abgeflogen und haben am ersten Schenkel richtig gut Meter gemacht. Um genau zu sein haben wir den ersten Schenkel mit über 90kmh absolviert und einige vor uns abgeflogene Clubbies eingeholt. Von da an liefs aber dann nicht mehr so geschmiert. Ich schaffte es einfach nicht mehr auf die gleiche Höhe wie Jan zu kommen und ich verlor einfach den Anschluss.

Der Abstand zwischen den Bärten wurde immer größer und ich verlor Jan aus den Augen und kurz vor dem zweiten Wendepunkt trennten sich unsere Wege. Von da an gings bei mir nur noch bergab. Kurz nach dem dritten Wendepunkt habe ich 25min verloren, da ich einfach nicht geduldig genug war einen Meter auszukurbeln. So holte mich eine Abschattung ein und ich musste kämpfen um wieder hinaufzukommen.

So gabs an diesem Tag nur Platz 10 und ein bisschen Anschiss von Jan – von da an sollte es aber dann wieder bergauf gehen.

Die Aufgabe am zweiten Wertungstag
Papa hilft Jan noch beim Starten, dann bin ich dran.
Am Grid.
Erich mit seiner Rennmaschine
Erich überholt mich mit seiner Rennmaschine...
Der Flugweg am zweiten Flugtag

Dritter Wertungstag

Der dritte Wertungstag war eigentlich mein bester Flug bei der gesamten Meisterschaft. Ein hervorragender fünfter Platz (mit altem Index wären wir 2. und 3. geworden) bei einem relativ kurzen AAT gab mir wieder Selbstvertrauen zurück.

Ich flog an diesem Tag völlig befreit, immer mit Zug nach vorne und mit dauerndem Feedback zu Jan – so konnten wir wirklich Gas geben und hatten einen richtig guten Flug, wenn man vom letzen Schenkel, bei dem aber alle Probleme hatten, absieht.

Die Aufgabe am dritten Wertungstag
Peter Hartmann beim Landen am neutralisierten Vortag.
Der Flugweg am dritten Wertungstag

Vierter Wertungstag

Am letzen Wertungstag startete ich als letzter in den Wettbewerb, musste aber leider nochmals starten und konnte erst ganz spät über die Startlinie fliegen. Auf den ersten beiden Schenkel ging es dann sehr gut dahin, dann traf ich aber 2 schlechte Entscheidungen und ich sah mich schon 2 mal auf der Wiese sitzen.

Dank Motivation von Peter Hartmann, Papa und Jan habe ich dann aber doch noch die Aufgabe fertiggeflogen, musste mich aber leider nur mit einem 68er Schnitt zufrieden geben.

Die Aufgabe am vierten Wertungstag
Der Flugweg am vierten Wertungstag

Mein Fazit

Eine super Veranstaltung, die Dobersberger Flieger haben die Woche zu einem Erlebnis gemacht und ich habe fliegerisch sehr viel dazugelernt. Leider war der Wettbewerb am Ende der Saison, somit konnte ich bis jetzt noch nicht wirklich das Gelernte anwenden – hoffentlich kann ich das in der heurigen Saison nachholen!