So macht man aus einer 45 Jahre alten Oberfläche einen fast neuen Lack. Als erstes habe ich heuer in eine richtig gute Poliermaschine investiert. 400 Euro sind ganz schön viel, aber man hat so eine Poliermaschine ja ein paar Jahre hoffentlich. Die Wahl viel auf eine FLEX Polishflex PE 14-1 und einen einfachen Schwingenschleifer zum Schleifen. Dazu habe ich von Marc Förderer eine sehr gute Anleitung zum Aufbereiten bekommen. Zuvor habe ich noch die Warnlackierung heruntergeschliffen, da diese schon sehr viele Risse hatte und sie mir einfach nicht gefällt. Durch ACL und den Markierungen an der Fläche bin ich aber trotzdem noch gut sichtbar im Gebirge.

Meine Libelle einen Tag nach dem Kauf 2011
... und nach dem Finish von heuer

Und wenn man dieses System befolgt hat man am Ende einen Lack, der aussieht wie neu lackiert! Mein Libellenlack hat jetzt 45 Jahre am Buckel und sieht aus wie neu!

Aber nun zur eigentlichen Aufbereitung:

Folgende Materialien habe ich im Vorfeld besorgt:
– Flex Poliermaschine Polishflex PE 14-1
– Schwingschleifmaschine
– Abralon 3000er und 4000er Schleifschwamm rund
– Fellscheibe
– Schaumscheibe (schwarz)
– 4-5 Mikrofasertücher
– Scholl S3 Politur
– Scholl W9 Wachs

Die Vorgehensweise:

1. Schleifen

Begonnen habe ich mit dem Schwingschleifer und dem Abralon Schleifschwamm. Vorzugsweise 4.000er Körnung, an schlimmen Stellen kann man die gröbere Körnung verwenden. Ich habe ca. 2 Scheiben für das komplette Flugzeug gebraucht. Die neue Scheibe schleift natürlich besser, da kann man ein bisschen schneller arbeiten. Natürlich soll man immer nass schleifen und darauf achten, dass immer ein guter Wasserfilm auf der Oberfläche vorhanden ist. So lange sich Bläschen und Schaum bildet ist genug Schleifwirkung vorhanden. Falls es nicht mehr so ist kann man die Scheibe wechseln. Ich habe beide Flächen (oben und unten) mit einer Scheibe gemacht. Das Schleifen ist wirklich viel Arbeit, ich habe pro Flächenseite ca. 2 Stunden geschliffen. Man kann sehr fest andrücken und sollte diagonal oder in Flugrichtung schleifen, beim Rumpf dann eher rund und den Konturen entsprechend, auch immer in verschiedene Richtungen. Das Schleifen dauert wirklich lange und wenn man gewissenhaft arbeitet bekommt man auch ein richtig gutes Ergebnis. Hier ist definitiv Geduld gefragt! Nach dem Schleifen soll man die Oberfläche nochmal ganz gründlich reinigen und mit einem Mikrofasertuch ganz trocknen. Mikrofasertuch ist ein sehr wichtiges Hilfsmittel, ich hab mir gleich 3 gekauft und sie nach jedem Tag in der Werkstatt auch wieder gewaschen, damit sie immer frisch sind. Hab die Tücher auch für jeden Arbeitsschritt markiert – man soll sie nicht durcheinanderbringen. Die Oberfläche fühlt sich nach dem Schleifen sehr weich an.

2. Polieren

Nun kommt die Poliermaschine zum Einsatz. Der große Vorteil an der PE 14-1 ist, dass man sehr niedrige Drehzahlen fahren kann und dadurch optimal und temperaturarm gearbeitet werden kann. Die Politur von Scholl ist wirklich sehr gut und ich bin wirklich überzeugt von der Qualität des Produktes. Wichtig auch hier: sehr nass arbeiten. Ein paar Tropfen Politur auf die Oberfläche, mit der Fellscheibe auf Stufe 1 verteilen und mit Stufe 4 dann polieren. Ich habe zum Auftragen des Wasserfilms eine Sprühflasche verwendet. Nach jeder großen Fläche hab ich die Scheibe dann auch wieder ausgewaschen, da sie an Wirkung verliert. Die Oberfläche soll nicht zu heiß werden! Nach dem Polieren wieder mit dem Mikrofasertuch abreiben bis die Oberfläche glänzt und frei von Politur ist. Tücher nie durcheinanderbringen! Man kann ruhig 2-3 Mal drübergehen mit der Politur, bis in gutem Licht kein Kratzer mehr zu sehen ist.

3. Wachsen

Wieder ein bisschen Wachs auf die Oberfläche aufbringen. Diesmal mit der Schaumscheibe arbeiten. Sehr fest aufdrücken und wieder mit Stufe 1 verteilen und mit Stufe 4 auspolieren. Wichtig ist, dass die Oberfläche warm wird (so warm wie sinnvoll, nicht zu heiß da dies zu Schäden führt!), da sich dann das Wachs in die Oberfläche einarbeitet. Sobald warm aus mehreren Richtungen einarbeiten. Permanent die Temperatur gewissenhaft prüfen. Das Wachsen ist der schnellste Arbeitsgang, sollte aber dennoch gewissenhaft und mehrfach (an einer Stelle) durchgeführt werden. Nach dem Wachsen wieder mit dem Mikrofasertuch (das fürs Wachs) abwischen bis die Oberfläche glänzt und kein Wachs mehr im guten Licht zu sehen ist. Gaaanz wichtig: Die Tücher nicht durcheinanderbringen! Am Ende nochmal mit einem eigenen Mikrofasertuch abreiben bis zum Glanz.

Sierra Lima Lettering von Lukas Diemling
Die Fahrwerksklappen wurden auch abgedichtet – man sieht schön das Beringer Rad mit Bremse
45 Jahre alter Lack