Der Tag hat für mich sehr früh begonnen, am Vortag saß ich noch bis 20:00 Uhr im Büro in Graz, die Prognosen für den nächsten Tag waren aber immer noch nicht ganz klar. Alptherm gab am Abend noch eine mäßige Prognose, wahrend bei TopTherm und TopMeteo ein richtig guter Tag prognostiziert wurde. So hab ich den Wecker um 5:30 gestellt und bin pünktlich um 6:00 Uhr in Graz weggefahren. Unglaublicherweise sah ich die ersten Entwicklungen schon 45min später auf der Gleinalm und kurz vor 8:00 Uhr das obligatorische Bummerl bei den Weissenbacher Wänden, dass sich für mich jetzt schon zum Indikator für Hammertage entwickelt hat.

Dort müsste es eigentlich auch immer schon sehr früh weggehen, leider hab ich mich noch nie getraut dort so früh hinzuschleppen, da wir eigentlich in der Früh die Nordseite immer meiden. In früheren Zeiten wurde immer nur in den Norden geschleppt, es wurde aber auch zumeist viel später gestartet – was mich aber immer noch oft zum Nachdenken bringt sind die Berichte von Jochen von Kalckreuth, der oft auch schon um 10:00 Uhr beim Hechlstein weggekommen ist und dann mit einem 90 bis 100er Schnitt bis Zell am See, oft nur mit 3-4 Bärten, geflogen ist. Das schaffen wir auf der Südseite eigentlich nie – dieser Nordabflug und die Nordroute wird ein Studienfall für den heurigen Winter.

Auf jeden Fall ist der 19. Juli eigentlich schon etwas spät und ich habe mir im letzten Jahr bei meinem Schweizflug in der ersten Juliwoche 2017 gedacht, dass es schon zu spät wäre für die Schweiz. Aber anscheinend hat die Saison 2018 einige Überraschungen parat. So wie auch an jenem Tag – am Vortag hab ich noch mit Jan Jagiello telefoniert, der ja auch seit heuer eine Standard Libelle fliegt und wir haben uns eine Quatschfrequenz und ein ungefähres gemeinsames Ziel ausgemacht – so weit im Westen wie möglich, am besten im Engadin.

So bin ich als erstes um 10:00 Uhr gestartet, am Hausbart dann die Ernüchterung, schlechtes, zerrissenes Steigen und ca. 35-40kmh Nordwestwind. Ich hatte schon kurz überlegt den Streckenflug abzubrechen und wieder, so wie schon Anfang Juli einen unstressigen Wellenflug zu wagen, doch nach ca. 30 min und gemeinsam mit Andy hab ich mich (zum Glück) dann doch für einen Abflug Richtung Westen entschlossen.

Der Weg über unsere Standardroute war Anfangs sehr schwer, Andy hatte dann einen Bart beim Gumpeneck besser erwischt und ich musste ein Stück zurückfliegen. Aber an solchen Tagen kann man wieder gut erkennen, dass man durch einen guten Bart wieder schnell im Spiel ist. An der Hochwildstelle konnte ihn dann wieder einholen und wir sind dann gemeinsam in mühsamer Weise bis Zell am See geflogen. Der Pinzgauer Spaziergang war eigentlich nicht so gut entwickelt – wie so oft bei Nordwestwind. Auf der Gerlos haben wir dann gemeinsam die Talseite gewechselt und ich sah die hohen Wolken im Süden, dort war die Basis sicher um 1000m höher. So sind wir dann bei Hintertux durch die Ginzling über den Stausee am Hochfeiler vorbei. Hier haben sich dann unsere Wege getrennt – Andy ist wieder nach Norden abgebogen und wollte die klassische Nordroute über den Brenner probieren.

Ich blieb bei meiner Entscheidung für den Süden – das Vinschgau sah sehr einladend aus und da ich dort ja noch nie war wollt ich es heute unbedingt zum ersten Mal befliegen. Hier hat sich dann auch Jan per Funk zum ersten Mal gemeldet und zu meiner Freude war er nur ca. 10km hinter mir. Am Ende des Vinschgaus haben wir uns dann getroffen und sind von da an im Teamflug bis zum Abend zusammen geflogen.

Ab dem Ende des Vinschgaus waren die Verhältnisse dann unglaublich – das Engadin ist wahrlich das beste thermische Gebiet das ich kenne und für mich immer ein Hochgenuss in der besten thermischen Zeit des Tages dort zu fliegen.

Der starke NW Wind hatte hier auch schon ein bisschen nachgelassen, leider war der Schnitt dann doch mit 68 kmh sehr bescheiden. 15:30 Uhr in Zernetz ist doch schon etwas spät für den Weiterflug Richtung Rheintal und so haben wie uns entschlossen um Punkt 16:00 am Julierpass umzudrehen. Mein AirGlide Display sagte 361km bis Aigen – vor einem Jahr hab ich schon eine halbe Stunde früher umgedreht und ich habe es nicht nach Hause geschafft – das wollte ich heute nicht mehr riskieren.

Der Rückflug war dann sehr einfach. Zu zweit im Teamflug bei einer Basis jenseits von 4000m ist ein Genuss, noch dazu mit 15kmh Rückwind. Beim Rückflug haben wir uns dann für die gleiche Linie über das Vinschgau entschieden, auch das Pustertal sah noch gut entwickelt aus.

Bei Heiligenblut dann die wichtigste Entscheidung des Tages, obwohl es auch im Süden noch ein paar Entwicklungen gab war der Sprung über den Hauptkamm wichtig – auch für Jan – ein Weiterflug im Süden hätte wahrscheinlich eine Aussenlandung für ihn bedeutet.

So sind wir langsam aber stetig ins Ennstal geglitten wo wir dann in die Abendthermik eingestiegen sind. Unsere Abendthermik ist eigentlich sehr verlässlich – und bei Tagen mit Wind, egal ob aus Süd oder Nord, immer sehr stark ausgeprägt. Die Hotspots sind bei Haus im Ennstal, Gröbming, Niederöblarn, Aigen, Rottenmann und Gaishorn. Auch der NW Wind war stark genug und eine Mischung aus Welle und Abendthermik haben uns dann noch einige Flugzeit beschert. Auch für Jan hatte die Entscheidung ein gutes Ende, bei der Abendthermik in Rottenmann konnte er die Endanflughöhe für Zeltweg erkurbeln und erflogreich seinen 815km Flug abschliessen. Für ihn war es ein 780km Zielrückflug, bei mir waren es dann auch 815km (mit einem JoJo in der Abendthermik) und 720km Zielrückkehrstrecke.

Ich habe bei diesem Flug sehr viel gelernt und es war für mich einer der erlebnisreichsten Streckenflüge die ich bis dato hatte, vor allem hat es sehr viel Spass gemacht mit Jan gemeinsam zu fliegen und den Tag bis zum Ende auszureizen.

Flugweg und Barogram